Interview mit Slope

promo_slope_bdhw7evenAM: Offensichtliche Eingangsfrage: Euer Sound-Spektrum reicht auf Losin‘ Grip von groovigem Hardcore bis hin zu Doubletime-Rap und Glam-Metal-Gesang. Gab es beim Schreiben jemals den Punkt, an dem ihr etwas nicht verwenden wolltet, weil es für ein Hardcore-Album zu ungewöhnlich war?
Slope: Hi erstmal,
nein den Punkt gab bei uns noch nicht. Das wäre ja so als würde man einen Teil seiner Kreativität wegsperren. Solange es für uns cool ist haben wir es bis jetzt immer gemacht. Jeder bringt seinen Einfluss mit ein und allem wird ne Chance gegeben, Musik hat so ein breites Spektrum sodass in allem was geiles steckt, wenn man genau hinhört. Wir haben uns da noch nie Grenzen gesetzt oder Gedanken gemacht ob etwas „ungewöhnlich“ klingen könnte. Wir machen einfach das worauf wir bock haben. Hauptsache wir feiern es, scheiß egal ob es dann für wen anders für ein Hardcore-Album „ungewöhnlich“ klingt. Alles andere ist ja festfahren.

7even Am: Euer Musikvideo zu Goodbye Mr. Dandy fühlt sich wie ein 90er-Jahre Flashback an. Abgesehen davon, dass ihr wahrscheinlich alle in dieser Zeit aufgewachsen seid, gibt es da bewusste Parallelen zwischen dieser Zeit und eurer Band?
Slope: Aufjedenfall. Die 90er haben neben extrem geilen Kinderserien, auch extrem geile Bands hervorgebracht (bzw. diese Bands sind in dem jahrzehnt durchgestartet). Eh hallo, der Grunge hat den Hair-metal verdraengt. Oder anders gesagt: unechte kack pop scheisse wurde durch echte, teilweise roughere aber trotzdem bessere, Musik ersetzt. Aus unserer Sicht sind die 90er einfach ne gute Phase der Musik gewesen, die dann langsam aber sicher wieder ihr Ende in den 2000er findet

7evenAM: Durch den wilden Mix an Sounds auf eurer Scheibe fällt es teilweise schwer sich auf den Begriff ‚Hardcore‘ zu versteifen. Gibt es da für euch eine musikalische Schwelle, hinter der das Wort nicht mehr angebracht wäre?
Slope: Also klar, es liegt irgendwie in der Natur des Menschen Dinge in Kategorien zu ordnen, macht ja auch oft sinn. Im Fall von Musik auch, obwohl es auch Bands gibt denen ich keine Kategorie zuordnen kann, weil im Sound so viele verschiedensten Kategorien zusammen ballern, dass es eben dann keinen Sinn mehr macht zu sagen „eh die gehören in Kategorie Dings“. Pink Floyd zum beispiel. Pink Floyd klingt wie Pink Floyd, d.h. hier ist die Schwelle überschritten. Das gibt es natürlich auch bei Hardcore und allen anderen gerne. Und wenn dir jemand sagt „eh ihr macht nen eigenen Sound und der ist fett“ na dann ist das doch fresh.

7evenAM: Ihr seid seit Losin‘ Grip neuerdings auf Beatdown Hardwear . Spielt für euch die Beatdown-Szene, der ihr ja musikalisch nicht unbedingt zuzuordnen wärt, eine große Rolle? Unterscheidet ihr überhaupt groß zwischen Hardcore / Beatdown / Punk / Metal? Auf der Bandcamp-Seite wird schließlich alles zusammen genannt
Slope: Also als Kids hat uns der Beatdown schon geprägt, mit 14/15 Jahren in den Meiderich Proberäumen kassieren und die jüngsten sein die da rumrennen. Rein musikalisch gesehen kann man ganz klar in Stilelementen etc. unterscheiden aber im Grunde hat ja alles seinen Ursprung und seine zusammenhänge. Es ist auf jeden erfrischend, wenn Bands auch mal Stile kreuzen und sich von anderen Musikstilen beeinflussen lassen.

7evenAM: Gab / Gibt es für das neue Album und die Band an sich klare musikalische Vorbilder? Bands bei denen ihr gesagt habt: „So etwas wollen wir machen“?
Slope: Jeder hat seine Einflüsse und Musik die er feiert und dementsprechend trägt sich da dann auch was zusammen, allerdings haben wir noch nie für uns gesagt „jo, genau sowas wollen wir machen“ sondern machen da eher unser eigenes Ding ohne uns darauf zu versteifen, dass es nach einer anderen Band klingt, aber Einflüsse sind wie gesagt immer da.

7evenAM: Angenommen ihr bekommt die Gelegenheit ab jetzt Vollzeitmusiker zu werden und jeden Abend vor 2000 Leuten zu spielen, allerdings mit Barrikade, Labelverpflichtungen und dem ganzen Drumherum. Gäbe das Konflikte mit eurer Bandphilosophie oder ist das dann einfach die perfekte Gelegenheit?
Slope: Ich denke sowas hat seine Vor und Nachteile.
Klar wäre es cool dicke Festivals selbst mit Barrikaden zu zocken, dauerhaft rumzureisen und genau das wobei man am meisten Spaß hat die ganze Zeit ausleben zu können. Man darf da nur nie vergessen wo man herkommt.
Ohne kleine Undergroundshows und Locals die was auf die Beine stellen geht nix und das Rad bleibt irgendwann stehen. Clubshows müssen sein, auch dann!
Ich denke, wenn man an dieser Schwelle steht muss man kurze 15 machen und den Schritt auch gehen. Aber Knechten lassen durch iwelche Knechtdeals, never.

7evenAM: Abschließend: Man findet aktuell keine Band, von der man sagen könnte, dass sie genau so klingt wie ihr. Das ist in der Hardcore-Szene nicht wirklich häufig. Gibt es andere Bands in der Szene, die ihr extrem originell findet, bzw. ist musikalische Eigenständigkeit eigentlich ein Qualitätsmerkmal im Hardcore?
Slope: Auf jeden, gute Beispiele dafür sind Keep Them Shut und Bad Habit. Sonst vielleicht noch Spitback und Power Wrench, die haben einfach was eigenes.

 

Links:
Slope
BDHW Facebook
BDHW Homepage